Freitag, 1. Juli 2016

Caros Gedanken zur Schildkröten-Parade

Nachdem Jasmin ja bereits fleißig die Fragen beantwortet hat, bin ich an der Reihe. Ich muss sagen, ich finde die Fragen sehr tiefgründig und ich habe zwischenzeitig überlegt, ob ich sie überhaupt beantworten soll, da sie doch sehr persönlich sind. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, weil es irgendwie auch mal gut tat, darüber nachzudenken.


Gab es in deinem Leben ein besonderes Ereignis, an dem du gewachsen bist?

Es gibt sicher mehrere Ereignisse in meinem Leben, an denen ich gewachsen bin, beispielsweise ist das Ausziehen bei meinen Eltern eins davon. Das Ereignis, das mich wahrscheinlich am nachhaltigsten beeinflusst hat, ist der Tod meines Opas 2009 gewesen. Mein Opa war mein Ein und Alles. Nach der Scheidung meiner Eltern war er die männliche Konstante in meinem Leben. Er hat mit mir Hausaufgaben gemacht, mit mir für die Schule geübt, mir Witze erzählt, mich abgeholt, kurz gesagt: Er war immer für mich da. An seinem doch recht plötzlichen Tod hatte ich doch sehr zu knabbern. Nicht nur, weil er mir gefehlt hat, nein, sondern auch, weil meine Oma plötzlich alleine war und meine Mutter sich um sie kümmern musste, während ich mich auch mit um meine Mutter kümmern musste. Ich glaub an diesem Punkt hat sich das Verhältnis von Oma-Mutter-Kind in Kind-Mutter-Oma umgedreht. Ich musste stark sein, hatte nur wenig Zeit zu trauern. Es gab so viel, was ich meinen Opa noch fragen wollte und was er alles erleben sollte. Er ist nie mit mir Auto gefahren, wo er doch immer an seinem Fenster saß, wenn ich Fahrstunde hatte und mir danach freudig erzählt hat, wenn er mich gesehen hat. Er konnte mich nicht auf meinen Abiball begleiten und er kann nicht sehen, wie glücklich ich heute bin. 
Sein Verlust hat mir bewusst gemacht, dass alles vergänglich ist. Ich glaube, an dem Tag seines Todes bin ich erwachsen geworden.


Hast du vielleicht schon einmal dein Leben völlig umgekrempelt und ihm eine andere Richtung gegeben oder dich von Fremdbestimmung gelöst?

Völlig umgekrempelt? Nein. Dazu liebe ich zu sehr die Sicherheit (leider). Ich bin, was das angeht ein kleiner Angsthase. Dennoch gibt es kleinere Ereignisse, bei denen ich mich dafür entschieden habe, einen anderen Weg zu gehen. Nach dem Abitur hatte ich mich an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen beworben. Ich hatte einen ganz guten Studienplatz ungefär 20 Autominuten von meinen Eltern bekommen. Finanzmanagement. Es hätte viele Vorteile gehabt und trotzdem habe ich mich dagegen entschieden und bin nach Erfurt gezogen, um Germanistik und Geschichte zu studieren. 400km entfernt von Zuhause ohne eine Menschenseele, die ich kannte. Es war ungewohnt plötzlich alleine zu sein. Inzwischen kann ich jedoch sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war. Ich habe dort meinen Mann kennengelernt und lebe mit ihm gemeinsam in Nordthüringen, immer noch weit weg von meinen Eltern. (Funfact: Ich bin ein totales Muttikind und telefoniere heute noch manchmal 3x die Woche mit meiner Mama).
Die nächste Entscheidung fiel dann letztes Jahr im Frühjahr. Statt nach 5 Jahren Studium ins Referendariat zu gehen und Geld zu verdienen (!), entschloss ich mich noch ein Mathestudium dranzuhängen. Das war schon ein großer Schritt für mich (für 2 Jahre Sicherheit aufgeben...).

Gibt es eine bestimmte Person, die dieses Umdenken und den Mut zur Tat bei dir ausgelöst hat und wenn ja wodurch?

Wenn ich eine spezielle Person benennen muss, dann, ist es meine Mama. Sie war immer, wirklich immer, für mich da. Sie unterstützt mich in allen Dingen und hat immer ein offenes Ohr für mich. Sie scheut sich nicht zu sagen, wenn sie stolz auf mich ist. Ich liebe dich, Mama!
Ich kann dies aber noch weiterführen: mein Stiefvater, meine Schwiegereltern, mein Mann! Alles Menschen, die mir Mut machen und die da sind, wenn ich drohe zu fallen. Danke,dass es euch gibt!

Um 15 Uhr erfahrt ihr dann, was Vee erlebt hat und welche Gedanken sie sich zu Emmas Fragen gemacht hat.

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